Ein Interview  mit Alexander Jäger-Bloh zum Thema Repowering, von Christine Schaade

Herr Jäger-Bloh, was ist eigentliche Repowering und welche Chancen liegen darin?

Es steht für das Ersetzen vorhandener Windenergieanlagen durch neue. Dabei gibt es zwei Effekte. Der eine: Die neuen Anlagen sind moderner, effizienter, in der Regel natürlich auch viel größer. Eine 500-Kilowatt-Anlage vom Ende der neunziger Jahre hatte eine Gesamthöhe von 85 Metern. Heute hat man Drei-Megawatt-Anlagen mit einer Gesamthöhe von bis zu 200 Metern – das ist mittlerweile das Maß der Dinge. Die Effizienzsteigerung, die damit einhergeht, ist ganz erheblich. Der zweite Effekt: Man hat durch das Repowering auch die Chance, gewisse Bausünden aus früheren Planungen zu revidieren. Man hat ja heute in vielerlei Hinsicht mehr Erfahrungen als früher.

Welche zum Beispiel?

Etwa was die Vergrößerung der Abstände zur Wohnbebauung oder im Einzelfall zu relevanten Naturschutzgegebenheiten betrifft. Doch mitunter wird der Abstand auch verringert, weil man heute weiß, dass er zu bestimmten anderen Belangen wie Hochspannungs- und Richtfunktrassen oder Straßen gar nicht so groß sein muss, wie früher angenommen wurde. Außerdem werden die Anlagen mit zunehmender Größe lauter, aber die Maschinen sind heute regelbar, man kann sie nachts auch schallreduziert laufen lassen, ohne dass das wirtschaftlich von großer Bedeutung wäre. Außerdem reduziert sich auch die Anlagenzahl. Das sind die großen Effekte des Repowering: Eine Erhöhung der Effizienz, aber auch eine Verbesserung der Aufstellungsgeometrie, und im Einzelfall auch eine Verringerung der Anlagenzahl.

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Viele Windparks sind mit Anlagen bestückt, die verschiedenen Betreibern gehören. Wir haben zum Beispiel einen Park mit zwölf Anlagen und ebenso vielen Betreibern. In diesem Windpark können allerdings nach dem Repowering nicht wieder zwölf Anlagen stehen, sondern vielleicht nur noch sechs oder neun. Die Betreiber müssen sich also untereinander einig werden.

Ein weiteres großes Problem ist die Akzeptanz in der Bevölkerung. Wir haben den Effekt, dass ein Windpark, der repowert werden soll, heute 500 Meter Abstand zur Wohnbebauung hat, zukünftig aber mindestens 750 Meter. Die Leute wollen die neue Anlage trotzdem nicht, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Ein häufiges Problem ist die Nachtbefeuerung. Die alten Windparks sind in der Regel nicht höher als 100 Meter, die neuen übertreffen diese Marke. Daher müssen diese eine Flughindernisbefeuerung haben. Dies scheint derzeit das Hauptproblem bei der Realisierung neuer Vorhaben, aber auch bei Repowering-Projekten zu sein. Viele Menschen fühlen sich durch dieses rote Blinken nachts belästigt. Daran arbeiten die Politik und die Branche, aber es ist ein Problem, das wiederum nur unter Mitwirkung und Verzicht der militärischen Luftfahrt zu lösen ist. Denn die ist in erster Linie der Bremsklotz in dieser und vielen anderen Fragen.

Welche Projekte betreuen Sie aktuell?

Wir haben in diesem Jahr drei Projekte, die wir realisieren. Zwei davon sind Repowering-Projekte. Bei einem werden aus zwei Anlagen eine. In einem anderen wird in einer Erweiterung eines Windparks eine Altanlage abgebaut. Und wir haben ein hocheffizientes Projekt hier in der Region Hannover, wo wir die ersten Anlagen mit 186 Metern Gesamthöhe und in einem Bereich von 3000 Volllaststunden eine hocheffiziente Anlagentechnik installieren. Das ist das Projekt Windpark Niedernstöcken.

Thema Erneuerbare Energien Gesetz (EEG): Welche Gesetzesvorgaben oder –änderungen wünschen Sie sich, um Windkraft attraktiver zu machen?

Grundsätzlich ist es so, dass wir ja durch die EEG-Strukturen, durch die sogenannte EEG-Umlage, an Grenzen stoßen, die letztlich vernünftig umsetzbar sind. Das hat unter anderem mit der Befreiung der stromintensiven Industrie zu tun, und die Zeche muss der Verbraucher zahlen. Das ist grundsätzlich nicht in Ordnung. Die Energiewende kostet Geld, die erneuerbaren Energien, kosten Geld – aber nicht die Welt. Es ist doch letztlich so: Was kann Schlimmes daran sein, wenn ich einen doppelt so hohen Strompreis habe und nur halb so viel verbrauche? Der Schlüssel liegt, so glaube ich, auch ganz enorm im eigenen Verbrauchsverhalten, in der Effizienz und im Stromeinsparen. Wir brauchen zuverlässige gesetzliche Regelungen. Niemand wird in erneuerbare Energien und Windkraft investieren, wenn er befürchten muss, dass sich die Rahmenbedingungen pausenlos ändern.

Sind Änderungen im Planungs- und Genehmigungsrecht notwendig?

Ja. Beim Repowering beispielsweise gibt es viele Anlagen, die erneuert werden können, aber es deshalb nicht werden, weil sie heute kein Planungsrecht mehr haben. Dieses haben sie zwischenzeitlich verloren, sie haben nur noch Bestandsrecht. Das muss erleichtert werden.

Windkraft kontrovers: Anwohner sind skeptisch gegenüber neuen Windparks. Wie schaffen Sie Akzeptanz?

Ja, das stimmt. Hier muss es Transparenz geben. Aber: Man kann über alles aufklären, was aber dennoch nicht heißt, dass die Bedenken weg sind. Und man muss die Wahrheit sagen: Windenergieanlagen haben Emissionen, und sie sind sichtbar. Das ist eben so, und daran kann man auch nichts ändern. Man kann versuchen, unter anderem durch eine vernünftige Aufstellung, durch genügend große Abstände und durch die Auswahl der für den Standort am besten geeigneten Anlage die Effekte zu verringern. Aber am Ende gibt es trotzdem Auswirkungen. Die Menschen an einer Win-Win-Situation zu beteiligen – sprich: „Bürgerwindpark“ –, ist eine Möglichkeit, aber auch kein Erfolgsgarant für Akzeptanz.

(Das Interview erschien am 15. Oktober 2012 in "Zukunftsbranche Energie")